Richtung Schweden 1945

Frauen gerettet aus den Konzentrationslagern Ravensbrück und Neuengamme

Foto Gullers, KW Nordiska Museet

Erschienen al E-Buch, siehe https://www.neobooks.com/ebooks/jan-van-ommen-richtung-schweden-1945-ebook-neobooks-AXR4TiKe_95fFpEVz2ks?toplistType=undefined und als Taschenbuch  https://www.epubli.de/shop/buch/104315#beschreibung .

Ende 2014 erhielt ich eine Anfrage aus den Niederlanden. Es betraf einen Vorfall bei der Evakuierung von Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück. Henny Blok war auf der Suche nach den Umständen des Todes seiner Tante Neeltje Blok, die im April 1945 auf dem Weg von Ravensbrück nach Schweden tödlich verunglückt war. Alliierte Piloten hatten die Fahrzeugkolonnen in Norddeutschland angegriffen. Herr Blok fragte mich, weil im März 2014 in den Niederlanden ein Artikel von mir über niederländische Frauen in Konzentrationslagern erschienen war. Es betraf die Lager Horneburg und Reichenbach und Neeltje Blok war vor ihrer Rückkehr nach Ravensbrück in Horneburg gewesen. Ich habe mich zuversichtlich an die Arbeit gemacht. Schließlich wohne ich in Norddeutschland, habe gute Kontakte zur Gedenkstätte Ravensbrück, ich bin mit einer Schwedin verheiratet und wir lebten acht Jahre in Dänemark. Es ist mir nicht gelungen! Von einigen Frauen konnte ich herausfinden, wo sie starben und ihre letzte Ruhestätte fanden. Von Neeltje Blok konnte ich nicht mal herausfinden, bei welchem Vorfall sie starb, und wir können nur vermuten, dass sie in Lübeck begraben wurde. Allerdings lieferte die Recherche umfangreiches Material über die Evakuierung nach Schweden von ca. 7100 Frauen aus Ravensbrück und ca. 2900 Frauen aus Hamburg sowie unbekannte Fakten über die Katastrophe in der Lübecker Bucht. Die Geschichte der Evakuierung von Ravensbrück umfasst mehr als „die Geschichte der Weißen Busse“. Dieser Bericht beschreibt den tragischen Beschuss der Fahrzeuge, in denen sich die  Frauen auf dem Weg nach Schweden befanden, und wirft ein neues Licht auf die Rolle der verschiedenen Teilnehmer an der Rettungsaktion Weiße Busse. Der Erfolg dieser Aktion bestand darin, dass sich die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort befanden und war weniger das Ergebnis von Verhandlungen zwischen dem schwedischen Grafen Folke Bernadotte und Heinrich Himmler.

Es gab eine Reihe von Verhandlungen, in denen die Deutschen Versprechungen machten, die schließlich selten eingehalten wurden. Bis zu Bernadottes Treffen mit Himmler am 21. April 1945 in Hohenlychen war – abgesehen von der Freilassung der Skandinavier – wenig erreicht worden. Nun stand die Rote Armee aber kurz vor Berlin und am selben Morgen begann die Evakuierung von Sachsenhausen, dem Konzentrationslager 60 km südlich von Ravensbrück. Himmler gab nach und beim Frühstück mit Bernadotte in Hohenlychen erließ er die Freigabe der Frauen von Ravensbrück. „Nehmen Sie mit, was Sie transportieren können“. Als der Führer davon erfuhr, hatte dies noch Konsequenzen für Himmler, aber nicht mehr für die zu rettenden Frauen.